- Erfundenes ... realer als die Realität?

Corfino / Garfagnana
Osterseen
Lesung in der Gemeindebücherei
Unterhaching am 29. Januar 2008
- mit der Autorengruppe
Die Seitenspinner

Wenn die Leute lachen und dabei genau verstehen. Doch je mehr sie lachen, umso ernster ist es mir. Und vielleicht ist es ja dann meine Mischung aus deutschem sowie in Italien und Japan geprägtem Humor.
Osterseen

Wenn die Leute lachen und dabei genau verstehen. Doch je mehr sie lachen, umso ernster ist es mir. Und vielleicht ist es ja dann meine Mischung aus deutschem sowie in Italien und Japan geprägtem Humor.
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Die italienische Konserve

Horst saß im Wohnzimmer, die Pfeife im rechten Mund­winkel, und las die Seite Drei in der Süddeutschen. Horst liebte die Seite Drei. Es war Samstagvormittag und er las gerade einen Beitrag über eine italienische Bar: „Ohne Giorgio geht gar nichts.“

Es ging um „die Italiener“, die ihren Caffè morgens lieber in der Bar tranken als zu Hause in der Familie. Das stimmte, so war es, genau so begannen sie den Tag; schon unzählige Male hatte Horst das gesehen.

Horst hatte es sich im Wohnzimmersessel gerade ge­mütlich gemacht, die Füße hochgelegt, als seine Frau vom Einkauf zurückkam: „Es riecht verraucht hier drin. Ich mach' mal kurz auf – Durchzug“, und öffnete sämtliche Fenster. Der Aprilhimmel war zwar wolkenlos, aber ein kalter Ostwind wehte in das Zimmer.

Seine Frau reichte ihm ein Anzeigenblatt über die Schulter: „Sieh mal, das war im Briefkasten.“

„Was soll ich denn damit?“, brummte Horst und zog an seiner Pfeife.

„Geht um italienische Konserven.“

„Konserven?“, fragte er und nahm seine Pfeife aus dem Mund.

„Ja, lies das mal. Hört sich interessant an.“

Horst nahm das Blatt in die Hand: Konserven der be­sonderen Art, hieß es da, erhältlich nur im Ristorante da Farino.

„Was soll das denn heißen?“, raunzte er. „Von der besonderen Art!

„Weiß ich nicht, aber können wir doch mal ausprobieren.“ Sie nahm ihm das Blatt aus der Hand, während er sich wieder seiner Zeitung widmete.

 

Früher war Horst Italienfan gewesen. Heute würde er sich nicht mehr als Fan bezeichnen, jetzt war er Kenner. Immerhin war er in den vergangenen dreißig Jahren achtundvierzig Mal nach Italien gereist, den DuMont-Führer einer jeden Region kannte er auswendig, vom Trentino bis Sizilien, von Piemont bis Friaul; jedes Dorf, jeden Winkel kannte er und zu jeder Jahreszeit fuhren sie dorthin. Manchmal war es noch richtig kalt, noch kälter als in seinem Wohn­zimmer bei Durchzug.

 

Horst las den Artikel auf der Seite Drei zu Ende und musste schmunzeln. Er kannte seine Italiener, und dass sie nach außen gekehrt waren und sich schon beim mor­gendlichen Caffè lieber mit den Kollegen unterhielten, das wusste er, das liebte er, und der Autor des Artikels hatte das sehr gut erkannt. Aber was war das mit dem Caffè al vetro, Kaffee aus dem Glas? Das hatte Horst irgendwie verpasst. Da muss es in Italien etwas gegeben haben, irgendeine Mode vor ein paar Jahren, die an ihm vorbei­gegangen war. Warum er das nicht mitbekommen hatte? Da war er doch unten gewesen zu genau der Zeit.

 

Seine Frau kam in das Zimmer und schloss die Fenster wieder: „Na? Was Neues?“

„Eigentlich nichts“, sagte er schnell. „Wusste ich alles schon“, und er überlegte, warum er das mit dem Caffè al vetro tatsächlich nicht mitbekommen hatte. Vielleicht war das mit den Konserven ja etwas Ähnliches, etwas, das er gerade dabei war zu verpassen.

„Sag mal, Gisela, von Kaffee in Gläsern war in deinem Käseblättchen nicht die Rede, oder?“

„Das ist nicht mein Käseblättchen, das ist unser Käseblättchen“, und damit war sie aus dem Zimmer ver­schwunden.

 

Am Nachmittag rief Horst einen Freund an, Bernd, der ebenfalls Italienkenner war und im Gegensatz zu Horst ein Haus in der Toskana besaß.

Horst hielt den Hörer fest in der Hand: „Sag mal, Bernd, hast du schon einmal von Italienkonserven gehört?“

„Gut, dass du das erwähnst“, flüsterte Bernd. „Man hat mir gesagt, es ginge da gar nicht um Essen. Doch Genaueres weiß ich nicht. Man sollte sich mal schlau­machen.“ Bernds Stimme kam leicht verzerrt aus dem Telefon: „Hast du schon den DuMont konsultiert?“

„Ach was“, winkte Horst ärgerlich ab. „Bei Farino soll's die geben.“

„Hmmm“, klang es durch den Hörer. „Dann gehen wir am besten gleich heute Abend da hin.“

„Geht klar“, sagte Horst und legte auf.

Es war schon fast dunkel, als Horst und Gisela das Haus verließen. Das Wetter war unverändert, es blies noch immer der kalte Ostwind um die Häuserecken und der Himmel leuchtete in einem kristallenen Dunkelblau. Gisela hängte sich bei Horst ein. Sie trug ihr violettes Kostüm, das in der Abenddämmerung glänzte, während Horst sich einfach seine graue Strickjacke übergezogen hatte. Das Restaurant „Da Farino“ mit den zwei geparkten Ferraris davor war praktisch ihr zweites Zuhause; man kannte sie dort.

Als Horst die Türe aufstieß und für Gisela geöffnet hielt, kam sofort einer der Kellner im weißen Jackett herbeigeeilt: „Buona sera, Signora, buona sera, Signori. Ihr Freund wartet schon.“

Horst nickte dem Kellner freundlich zu: „Buona sera, buona sera“, drückte vorsichtig den Handrücken in Giselas Wirbelsäule und schob sie hinein ins Lokal.

Bernd saß bereits mit einem Glas Rotwein am reser­vierten Tisch und wartete ungeduldig, bis Horst und Gisela sich gesetzt hatten. Nervös rutschte er auf seinem Stuhl hin und her: „Bevor ihr gekommen seid, waren Leute am Nachbartisch mit silbernen Blechdosen in den Händen.“

Horst beugte sich vor, näher an Bernd heran: „Ganz normale Blechdosen?“

„Scheint so. Aber ohne Aufschrift!“

Horst nahm die Speisekarte in die Hand. „Ohne Auf­schrift? Das hört sich gefährlich an. Fragen wir am besten nach dem Essen. Sonst kriegen wir vielleicht nichts mehr.“

Und alle drei blätterten in der Karte.

Schon bald war die Stimme des Kellners zu hören: „Signori? Sie wünschen?“

Gisela blickte auf: „Ich nehme die Fusilli all' Arancia.“

„Si, Signora, sehr gute Wahl!“ Und weltmännisch über­setzte er: „Fusilli in Orangensauce. Und zu trinken, Signora?“ Er sprach mit einem rollenden R und neigte den Kopf ein wenig zur Seite – die typische Wartehaltung eines Kellners.

Gisela lächelte ihn an, zupfte an ihrem Kleid, entschied sich schließlich für  einen Viertel Corvo Siciliano, dazu ein teures, italienisches Mineralwasser. Die Marke musste schon stimmen.

Während alle drei auf das Essen warteten, kam der Besitzer des Lokals und setzte sich an einen Tisch in ihrer Nähe. Sein Bauch war dick und das Gesicht rund. Er sah schmuddelig aus mit seinen wenigen, fettigen, grauen Haaren auf dem Kopf – der Rest: Glatze. Seine Augen waren verquollen, glänzten aber misstrauisch und ge­schäftig. Ihm folgten zwei Herren in schwarzen Anzügen, die sicher sehr teuer und doch verknittert waren. Die zwei Herren hatten gegelte, schwarze Haare, doch mit ihren fahlen Gesichtern sahen sie aus, als seien sie gerade erst aufgestanden. Sie setzten sich zu dem Besitzer an den Tisch, und Horst konnte sehen, wie dieser seine Augen zusammenkniff, sich eine Zigarette anzündete und daran zog. Aus seinem Mund kam ein angewidertes „Niente!“, woraufhin einer der fahlgesichtigen Männer sich zurück­lehnte und mit den Fingern auf den Tisch zu klopfen begann. Kein Wort, kein Atmen, nur Schweigen – und das Klopfen der Finger.

Der Kellner brachte das Essen, und während Horst, Bernd und Gisela mit Schneiden und  Kauen beschäftigt waren, beobachtete Horst, wie der Besitzer dem finger­trommelnden Mann einen Briefumschlag zuschob. Der aber sagte: „No!“, schüttelte den Kopf und schob den Briefumschlag wieder zurück.

Als Horst, Bernd und Gisela fertig gegessen hatten, winkte Horst den Kellner herbei: „Sie verkaufen hier doch Konserven. Was ist da eigentlich drin?“

„Konserven?“, sagte der Kellner leise und beugte sich etwas herunter. „Hier gibt es keine Konserven.“

„Aber ich habe das heute Morgen in einer Anzeige ge­lesen. Nur bei Farino, hieß es da.“

„Ach so, die Anzeige. Das war ein Irrtum.“

Jetzt wurde Horst wütend: „Dieser Herr“, er deutete dabei auf Bernd, „hat vorhin gesehen, wie andere Kunden Konserven in den Händen hielten – ohne Aufschrift!“

Jetzt endlich schien der Kellner zu verstehen: „Ach, Sie meinen die Konserven?“

„Genau! Richtig!“, sagte Horst mit fester Stimme. „Die meine ich. Und wir hätten gerne welche davon.“

„Das geht leider nicht. Sind alle ausverkauft.“

Jetzt stand Horst auf: „Würden Sie bitte nachsehen, ob vielleicht nicht doch noch eine Büchse da ist. Schließlich sind wir Stammgäste.“

Der Kellner verschwand in der Küche.

Fünf Minuten später kam er wieder heraus mit einer Dose in der Hand: „Die kostet aber 38 Euro.“

„Geht schon klar“, sagte Horst und kramte das Geld aus seiner Hosentasche.

Er zahlte und ging mit der Büchse in der Hand zur Garderobe. Als jedoch die Männer mit den fahlen Gesich­tern die Büchse sahen, drückten sie ihre Zigaretten aus und standen auf. Der eine kam direkt auf Horst zu: „Was ist das für eine Dose da?“ Er klopfte auf die Konserve.

Horst zog sie schnell weg: „Die habe ich gerade gekauft.“

Schnell kam der Besitzer herbeigerannt, sein Bauch heftig schwankend unter dem speckigen Baumwoll­pullover: „Signori! Signori! Wäre es nicht möglich, ein anderes Mal so eine Konserve zu kaufen? Ich bin in großen Schwierigkeiten, wenn Sie die Konserve mit­nehmen.“ Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und blickte flüchtig zu den beiden Männern, die mit grim­migem Blick das Geschehen beobachteten.

Gisela drehte sich zu Horst: „Ich glaube, wir geben die Konserve besser wieder zurück.“

Horst war verunsichert und hielt den Männern die Dose hin. Die beiden quittierten mit einem Nicken und ver­ließen das Lokal.

Das ging doch nicht mit rechten Dingen zu! Horst spielte mit den Schlüsseln in der Jackentasche: „Was ist da eigent­lich drin in so einer Konserve?“

Der Besitzer machte große Augen: „Oh, das Rezept ist streng geheim.“

„Aber verraten Sie uns doch wenigstens ungefähr, worum es geht?“

„Hmmm – das ist schwierig zu erklären. Eigentlich ist es etwas ganz Leichtes, so leicht wie Luft.“

„Da ist Luft drin?“, rief Horst empört. „Sie verkaufen einfach Luft?“

Der Besitzer wedelte heftig mit den Händen: „Nein, nein. Es ist nur so leicht wie Luft und so ähnlich wie Luft – vielleicht“, er zwinkerte mit dem linken Auge, „vielleicht nicht ganz so wichtig wie Luft, aber“, er hob den Zeigefinger, „aber dennoch sehr wichtig. Wenn Sie, Signori, nach Italien fahren, dann ist es sehr wichtig.“

„In Italien?“, fragte Horst und sah den Besitzer erstaunt an. „Wir waren schon über vierzig Mal in Italien und haben so etwas nie gebraucht.“

„Brauchen tun Sie das nicht, Signori, nicht unbedingt. Aber ich sage Ihnen, damit ist es besser, viel besser.“

An dieser Stelle schaltete sich Bernd plötzlich ein. Sein Gesicht hellte sich auf: „Jetzt weiß ich, was sie meinen: Da sind Drogen drin.“

„Ach nein“, sagte der Besitzer und machte ein ange­widertes Gesicht. „Die wären viel zu materiell. Wir denken immer nur materialistisch. Ist eine schlechte Sache, der Materialismus.“

Horst wurde ungeduldig: „Was ist nun in den Kon­serven?“

„Es ist weniger materiell, als Sie denken.“

Ein Vakuum?“, fragte Gisela und machte große Augen. „Das absolute Nichts?“

„Nein Signora, so ist es auch wieder nicht. Es ist eher, wie soll ich sagen, eine Stimmung. Wenn Sie nächste Woche wieder vorbeikommen, haben wir sicher wieder ein paar Büchsen da.“

Gegen Ende April kletterte das Thermometer auf über 25 Grad. Die Luft war warm, überall blühten die Oster­glocken und die Zeit für den alljährlichen Italien­urlaub rückte näher. Noch eine Woche, dann würden sie in den Volvo steigen und hinunterfahren: wieder Toskana, San Gimignano, Umbrien. Es gab dort einige Restaurants, die es unbedingt auszuprobieren galt.

Und kurz vor der Abfahrt gelang es Horst, eine Italien­konserve zu ergattern.

„Machen Sie einfach ein Loch rein“, sagte der junge Kellner und steckte das Geld in die Tasche. „Stellen Sie die Dose ins Auto oder ins Hotelzimmer.“

Horst bedankte sich und eilte nach Hause, wo der Volvo schon startklar vor der Tür stand.

 

Kurz hinter Garmisch hielten sie auf einem Parkplatz. Gisela nahm die Büchse vom Rücksitz und bohrte mit dem Taschenmesser ein kleines Loch hinein. Ein Zischen war zu hören. Doch konnte Horst nicht sagen, ob nun etwas herausgeströmt oder Luft hineingelangt war.

Misstrauisch sah er zu Gisela: „Gib mal her. Lass mal riechen.“

Er nahm die Büchse in die eine Hand, mit der anderen wedelte er sich Luft zu, so wie er das früher im Chemie­unterricht gelernt hatte: „Das riecht nach gar nichts“, und nun hielt er die Nase direkt über die Öffnung. Schließlich schüttelte er den Kopf: „Ich sag dir, da ist überhaupt nichts drin.“

„Sei doch nicht immer so skeptisch“, sagte Gisela ver­ärgert. „Ich stell jetzt die Büchse auf den Boden. Du wirst schon sehen.“

Und es dauerte nicht lange, da verfiel Horst in Italien­stimmung. Auch Gisela summte ein Lied: Felicitá von Ricchi e Poveri. Gerade waren sie über den Brenner.

 

Und die Reise war ein voller Erfolg: Sie aßen gut, über­nachteten auf Bauernhöfen und badeten sogar schon im Meer. Sie sahen auch Italiener, die ihren Kaffee an der Bar tranken – allerdings niemanden mit einem Glas in der Hand – und Horst achtete wirklich darauf.

Am Ende der Reise besuchten sie Bernd in der Toskana, der Stress wegen des Durchfahrtsrechts hatte. Er war etwas geknickt, denn der Bauer vom Nachbargrundstück hatte ihm mit der Schaufel ein Rücklicht abgeschlagen, und als er sah, wie gut erholt Horst und Gisela waren, sagte er: „So eine Konserve hätte ich auch brauchen können.“ Er holte eine Flasche Grappa aus der Hausbar und schenkte jedem ein Glas ein: „Und was ist nun in der Konserve?“

„Keine Ahnung“, sagte Horst und zuckte die Achseln.

Gisela lächelte unsicher: „Aber ein bisschen geholfen hat's schon, glaube ich.“

Horst nippte an seinem Glas: „Wenn wir zurück sind, werde ich nachhaken.“

An einem Samstagabend kamen sie wieder in München an. Sofort ging Horst zu Farino. Er legte die Jacke gar nicht erst ab, sondern bahnte sich den Weg direkt zur Küche. Dort nahm er sich den Chefkoch vor: „So, und jetzt sagen Sie mir, was Sie da reintun. Ich habe nämlich überhaupt keinen Unterschied gespürt.“

„Wir tun eigentlich nicht viel hinein“, antwortete der Koch und blickte Horst sehr ernst an: „Wir fangen einfach die Stimmung ein von den Gästen hier im Lokal. Sie sehen doch, die Leute kommen hierher und wollen ein bisschen Italien erleben. So fangen wir die Stimmung ein und verpacken sie in Dosen. Wir reden mit unseren Kun­den ein bisschen Italienisch: Si Signore, Grazie, Prego, Buona Sera, dann fühlen sich die Leute wie in Italien. Wobei die Hauptsache natürlich das gute Essen ist; darauf legen wir schon Wert. Aber wissen Sie, zusätzlich zum Essen verkaufen wir eben noch ein bisschen mehr: die Stimmung.“ Der Koch schnalzte mit den Fingern: „Und die füllen wir in die Konserven.“

Horst kratzte sich am Kinn: „Das geht einfach so?“

„Ganz einfach ist das natürlich nicht“, erwiderte der Koch. „Das geht nur, wenn auch Gäste da sind. Sie sind es nämlich, die die Stimmung kreieren. Wir Italiener schaffen nur die Voraussetzungen dazu.“

Horst sah den Kellner an: „Dann brauche ich so eine Konserve also gar nicht.“

„Das müssen Sie selbst entscheiden.“

Doch dann hielt der Koch inne, eine längere Pause ent­stand, und er war ein wenig zögerlich, ehe er weitersprach: „Dürfte ich Sie um einen Gefallen bitten?“

Horst sah ihn misstrauisch an, sagte aber nichts.

 

Der Koch nahm das als ein vorsichtiges Ja: „Sie sind doch Italienkenner.“

Horst nickte heftig mit dem Kopf: „Ja, das bin ich!“

„Könnten Sie das nächste Mal ein paar Konserven mit nach Italien nehmen und meinen Verwandten über­reichen? Die wünschen sich so sehr, nur ein einziges Mal in ihrem Leben in Italienstimmung zu geraten. Nur ein einziges Mal wollen sie ihr Land betrachten mit den Augen eines Italienkenners.“

 

Mit einem ganzen Stapel Büchsen rannte Horst nach Hause, stieg die Treppen hoch, nahm immer gleich zwei Stufen auf einmal, schloss die Wohnungstüre auf und rief so laut, er konnte: „Gisela, komm! Lass alles stehen und liegen! Nichts wie runter nach Italien!“

(von Ulrich Wenzel aus "Na? Gestempelt?", 2014)